Gravel Biking
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Luxemburg auf neuen Wegen Mountainbike- und Gravel-Tourismuskonzept

12.01.2026Tourismusentwicklung


Wo Mountainbike und Gravelbike Natur und Menschen verbinden

Luxemburg baut sein Angebot für MTB- und Graveltourismus systematisch aus. Ein neues Konzept verankert beide Disziplinen im nationalen Tourismus und positioniert das Großherzogtum als Destination für alle, die Aktivität mit Naturerlebnis verbinden möchten.
 

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Bisher fehlte es an fundiertem Wissen zu Angeboten und Zielgruppen sowie an einer ausgereiften Marketingstrategie für MTB und Gravel – bestehende Routen blieben auf internationalen Plattformen weitgehend unsichtbar. Das neue “Konzept fir den Mountainbike- a Graveltourismus zu Lëtzebuerg” schließt diese Lücke. Der Ansatz: Mountainbike und Gravel sind Vehikel, um Land und Leute, Natur und Kultur zu erleben. Nicht die technische Herausforderung oder rasante Abfahrt stehen im Vordergrund, sondern das Naturerlebnis selbst.

MTB und Gravel sind Nischenmärkte, aber wertvoll für den Tourismus: Diese Gäste bleiben länger, buchen öfter Unterkünfte und investieren in lokale Angebote. Die Großregion bietet ideale Voraussetzungen – rund 40 Prozent aller Gäste kombinieren ihren Aufenthalt mit dem angrenzenden Ausland. Luxemburg liegt damit im Herzen eines grenzüberschreitenden Bike-Territoriums.

Wer soll kommen? Drei Zielgruppen im Fokus

Das Konzept spricht genussorientierte und sportorientierte Zielgruppen an: naturinteressierte Neueinsteigende auf Mountainbike oder Gravelbike, entspannte Tourengenießer:innen beider Disziplinen und ambitionierte Bikeurlauber:innen, die technisch anspruchsvolle MTB-Trails suchen.

Die beiden genussorientierten Gruppen legen Wert auf familienfreundliche Wege und moderate Touren auf naturnahen Strecken mit kulinarischen Erlebnissen. Viele besitzen noch kein eigenes Bike und sollen durch niedrigschwellige Angebote ermutigt werden, den Sport zu entdecken – auf dem Mountainbike oder dem Gravelbike. Die ambitionierten Bikeurlauber:innen suchen sportliche Herausforderungen und technisch anspruchsvolle MTB-Strecken, das Biken ist der Hauptanlass ihrer Reise.

Bei den Nature Loving Actives – jene Zielgruppe, die Naturerlebnisse und Sport schätzt – gehören bereits 25 Prozent aller Gäste, die in Luxemburg Mountainbike oder Gravelbike fahren, zu dieser Gruppe.

Frauen gezielt ansprechen

Luxemburg setzt einen Fokus auf Frauen, die im Mountainbiking bislang unterrepräsentiert sind. Entscheidend ist nicht nur das Angebot selbst, sondern auch die Ansprache: einladende Kommunikation, positive Bildsprache und Darstellungen mit Frauen im Bild bauen Vertrauen auf und senken Einstiegshürden. Die Umsetzung orientiert sich am FIAS-Framework der Universität Bristol, das Barrieren abbauen, Vielfalt fördern und eine offene Biking-Community stärken will.

Gravel als Wachstumsmarkt

Gravelbiking erfreut sich wachsender Beliebtheit. Zwischen 2020 und 2023 stieg der Marktanteil sportlicher Fahrräder deutlich, 2024 machten Gravelbikes 6,5 Prozent des Gesamtmarktes aus. Luxemburg bietet mit seiner abwechslungsreichen Landschaft und der kompakten Vielfalt auf kleinem Raum gute Voraussetzungen.

Ein Alleinstellungsmerkmal könnte der Aufbau eines flächendeckenden Verleihsystems sein: hochwertige Leihbikes verschiedenster Modelle und Rahmengrößen, darunter Hardtails, Fullys, e-MTBs und Gravelbikes, ergänzt durch Helme, Reparaturkits, Pannenhilfe und Hol- und Bringdienste. Ziel ist es, das Biken niedrigschwellig zugänglich zu machen.

Wo die Trails entstehen

Das Konzept identifiziert sechs Potenzialräume für Mountainbike: Éislek 1, Éislek 2, Nordstad, Mullerthal - Kleine Luxemburger Schweiz, Minett und Guttland. Das Éislek bietet auf rund 147 Quadratkilometern zahlreiche Möglichkeiten, insbesondere rund um den Stausee. Im Minett entstehen anspruchsvollere Trails, während das Guttland auf Gravel-Angebote setzt und diese mit regionaler Gastronomie und Slow Tourism verknüpft.

Für Gravelbike gibt es keine räumlich abgegrenzten Gebiete – die Touren sind aufgrund ihrer Streckenlänge meist regionenübergreifend angelegt. Entwickelt werden abwechslungsreiche Tages- oder Halbtagestouren zwischen 30 und 80 Kilometern, die Natur- und Kulinarikerlebnisse verbinden. Sportorientierte Gravelbiker:innen finden längere Strecken bis zu 150 Kilometer mit bis zu 1.500 Höhenmetern oder Mehrtagestouren, die sich für Bikepacking eignen.

Kommunikation mit Substanz

Das neue Kommunikationskonzept soll Aufmerksamkeit steigern und emotionale Anreize schaffen. Luxemburg verzichtet auf die Inszenierung von Extremsport. Im Fokus stehen zugängliche, naturnahe Erlebnisse für verschiedene Fahrniveaus, Storytelling mit echten Menschen sowie regionale Besonderheiten. Die Markenwerte – verlässlich, offen, kontrastreich, inspirierend und transformierend – fließen in die Angebotsgestaltung ein und prägen die Vision einer Destination, die Freiheit, Bewegung und Begegnung ermöglicht.

Nachhaltigkeit und Besucherlenkung

Das Konzept ist in die nationale Nachhaltigkeitsstrategie für Tourismus eingebettet. Es fördert Teilhabe durch vielfältige Angebote, unterstützt nachhaltige Entwicklung durch gezielte Besucherlenkung und stärkt die Lebensqualität der Einheimischen. Die Entwicklung erfolgte in Kooperation mit den regionalen Tourismusverbänden, Luxembourg for Tourism und der Jugendherbergszentrale. Austauschgespräche fanden mit der Administration de la Nature et des Forêts und dem Ministerium für Umwelt, Klima und Biodiversität statt.

Eine landesweit einheitliche Beschilderung für MTB-Routen und -Trails wird eingeführt, die nicht nur der Wegweisung dient, sondern auch über Schwierigkeitsgrade und Streckenbeschaffenheit informiert. Der “Share the Trail”-Ansatz soll ein harmonisches Miteinander zwischen Wandernden und Bikenden sicherstellen.

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    Mountainbike- und Gravel-Tourismuskonzept

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    Luxemburg baut sein Angebot für MTB- und Graveltourismus systematisch aus. Ein neues Konzept verankert beide Disziplinen im nationalen Tourismus und positioniert das Großherzogtum als Destination für alle, die Aktivität mit Naturerlebnis verbinden möchten.

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