© Oliver Raatz

Erstes ‘Visit Luxembourg Destination Forum Ist Luxemburg bereit für nachhaltigen Tourismus?

15.05.2023Nachhaltigkeit

Ist Luxemburg bereit für nachhaltigen Tourismus?

Das Thema Nachhaltigkeit ist topaktuell. Oft wird darüber gesprochen, aber meist eher im wirtschaftlichen Kontext. Und doch ist Nachhaltigkeit auch im Tourismus nicht mehr wegzudenken. Das spiegelt auch die nationale Tourismusstrategie wider, welche 2022 von Lex Delles, Minister für Tourismus vorgestellt wurde. Anlässlich der Jahreshauptversammlung hatte Luxembourg for Tourism (LFT) das erste ‚Visit Luxembourg Destination Forum‘ am 10. Mai 2023 organisiert. Das Thema: „Luxembourg: ready for the future of green travel? Ist Luxemburg bereit für nachhaltigen Tourismus?“

Juliet Kinsman, Journalistin und Freelancerin bei Condé Nast Traveller, London Evening Standard und BBC Radio sowie Nachhaltigkeitsberaterin im Reisesektor, und Eduardo Santander, Executive Director der European Travel Commission (Visit Europe), gaben wertvolle Denkanstöße. Außerdem waren einige luxemburgische Tourismusregionen mit Informationsständen vertreten.

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Wie nachhaltig kann und muss Tourismus sein?

Der Tourismus ist eine klassische Querschnittsbranche und ist fest im Alltag der Menschen verankert. „Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Nachhaltigkeit durch Luxemburgs Tourismusstrategie“, so Minister Lex Delles. Von der Beherbergung über regionale Wirtschaftskreisläufe bis hin zu Mobilität und Barrierefreiheit im touristischen Angebot möchte man eine nachhaltige Standortqualität für alle. „Es geht dabei nicht darum, weniger zu reisen, sondern bewusster zu reisen. Und es geht auch nicht nur darum, das Handtuch seltener zu wechseln oder kein Plastikgeschirr zu verwenden. Nachhaltiger Tourismus geht weit darüber hinaus“, sagt Dr. Sebastian Reddeker, CEO von LFT. Reisende sollen das Land intensiv und achtsam entdecken. Eine längere Verweildauer beispielsweise ist deutlich nachhaltiger (aktuell liegt die Aufenthaltsdauer der Freizeitreisenden im Durchschnitt bei 4 Nächten). LFT gibt daher im Rahmen der Kommunikation viele Ideen und Inspiration, wie man in Luxemburg eine schöne Zeit verbringen kann.

Die beiden Referenten wollten vor allem eins: Bewusstsein schaffen und zeigen, dass ein Wandel unumgänglich ist. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ sei komplex, doch eine Auseinandersetzung damit unausweichlich. Und allen Entscheidungen der Politik und der Akteure müssten messbare und belastbare wissenschaftliche Daten zugrunde liegen, denen sich niemand entziehen könne. Nur das garantiere, dass alle sich „mitgenommen“ fühlten. Nicht zuletzt würden die modernen, jungen Reisenden ihre Entscheidungen mehr und mehr von einem nachhaltigen Tourismus vor Ort abhängig machen. Das müsse man bei seinen Angeboten bedenken. Kinsman schlug unter anderem Anreize und Belohnungssysteme vor.

© Olivier Minaire Photography

Wie Juliet Kinsman wies auch Eduardo Santander darauf hin, wie wichtig es ist, als Marke sein Werteversprechen einzuhalten. Dazu gehöre eben auch Nachhaltigkeit. Ein wichtiger Denkanstoß: Der Diskurs über Umweltschutz und Nachhaltigkeit variiere stark von Land zu Land. Viele hätten Probleme damit, auch außerhalb ihrer Grenzen zu denken, doch genau das müsse geschehen. Zudem nannte er mehrere praktische „Rezept-Zutaten“ für einen nachhaltigen Tourismus. Ein gutes Instrument seien etwa offiziell anerkannte Eco-Labels, die es auch in Luxemburg gebe. Und ein grundsätzlicher Erfolgsfaktor sei die Zufriedenheit und Lebensqualität der Einwohner selbst, also die Stärkung der eigenen Community. Nur dann würde der Tourismus akzeptiert, dessen Zielgruppen umgekehrt gut zur Destination passen.

Interessant und von Vorteil in diesem Zusammenhang: Die Hauptzielgruppen der Tourismus-Destination Luxemburg sind die so genannten „Explorer“ und die ‚Nature Loving Actives‘. Eine per se schon qualitätsorientierte Klientel, die sich von selbst für die Natur sowie für gesellschaftsrelevante Themen wie eben auch Nachhaltigkeit interessiert.

Nachhaltigkeit ist mehrdimensional

Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten hat die Destination ein großes Kundenpotenzial in einem Umkreis von 300 Kilometern. Das ermögliche verschiedene Anreiseoptionen. Stichwort: Bahnreisen und kostenloser öffentlicher Personennahverkehr in Luxemburg. Erfreulich: Laut LFT-Gästebefragung hat sich der Anteil der Urlaubsreisenden, die mit dem Zug angereist sind, zwischen 2018 und 2022 von 10% auf 15% gesteigert. Doch auch die Kundenflüsse selbst sollte man im Land im Blick behalten. Gut in diesem Zusammenhang: Nur 6 Prozent der Einwohner sagen, es gebe zu viele Touristen im Land. Gleichwohl wünschen sich 60 Prozent eine bessere regionale Verteilung. Von „Overtourism“ ist Luxemburg weit entfernt, doch eine bessere regionale und auch saisonale Verteilung jenseits des Sommers könnte zu noch mehr Nachhaltigkeit beitragen. LFT vermarktet daher Luxemburg mit Hauptstadt und fünf attraktiven Regionen und zeigt, wie attraktiv Luxemburg als Ganzjahresdestination ist. Denn auch 2022 verteilten sich nach wie vor 73% der Freizeit-Übernachtungen in den Regionen Norden und Osten auf die vier Monate Mai bis August.

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Soziale Dimension: „Perfect Match“

Tourismus hat auch immer eine soziale Dimension. 72 Prozent der Bevölkerung unterstützen den Tourismus, nur 11% sprechen sich dagegen aus. Soziale Nachhaltigkeit bedeutet auch eine hohe Lebensqualität vor Ort. „Touristische Entwicklung hat einen positiven Einfluss auf die Standort- und Lebensqualität. Das kommt allen zugute“, betont Tourismusminister Lex Delles. In Luxemburgs Gästegruppen gibt es bereits eine Korrelation zwischen ‚Green Travel‘ und den Themen Natur, Kultur, lokale Begegnungen, Museen und Schlösser. Die Menschen interessieren sich von selbst dafür. „Ein ‚perfect Match‘, der zudem zahlreiche Anknüpfungspunkte im Bereich der Produktgestaltung bietet“, so Sebastian Reddeker. Dazu komme eine gute Entwicklung beim Thema Inklusion, etwa beim Tourismus für alle mit vielen barrierefreien Angeboten sowie Labels wie EureWelcome.

Umwelt: Zertifizierte Qualität

Was das Thema Umwelt angeht, ist Luxemburg ebenfalls auf einem guten Weg. Im „Environmental Performance Index“ belegt Luxemburg den 6. Platz unter 180 Ländern. Mittlerweile gibt es beispielsweise über 40 Betriebe, die dem EcoLabel angehören – Tendenz steigend. Auch andere Label und Angebote wie Green Business Events, bed+bike und MoveWeCarry sowie diverse Fahrradverleihsysteme sowie eine gute E-Bike-Infrastruktur und nicht zuletzt der gratis ÖPNV gehören dazu. Das geht über Zertifizierungen weit hinaus und bietet Ansatzpunkte für nachhaltige Aktivitäten auf Luxemburg-Reisen. Einzelne Anbieter wie Jugendherbergen haben zudem bereits jetzt in Sachen Umwelt einen hohen edukativen Anspruch in großen Teilen ihrer Angebote.

Verknüpfung mit der Marke Visit Luxembourg

All dies, sowie die Affinität der LFT-Kernzielgruppen mit dem Thema Nachhaltigkeit zeigen: Nachhaltigkeit lässt sich mit den zentralen Markenwerten der Destination Luxemburg verknüpfen. Tatsächlich sind 21 Prozent der Übernachtungsgäste der Meinung, dass Nachhaltigkeit ein Kernelement der Marke „Luxemburg“ ist.

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Wie geht es weiter?

In Luxemburg waren immerhin 9% aller Übernachtungsreisenden im Freizeitbereich ökologisch motiviert (und gar 16% bei der hochaffinen Kernzielgruppe Nature-Loving Actives). Dies mag in absoluten Zahlen (noch) niedrig erscheinen – doch die Frage ist berechtigt inwiefern Nachhaltigkeit überhaupt ein Hauptreisemotiv werden kann: für Reisende wird auch zukünftig der Erlebniswert im Vordergrund bleiben. Umso mehr ist deshalb die Branche gefordert, proaktiv Standards zu setzen, und nachhaltige Angebote zu fördern und bekannt zu machen. Nachhaltigkeit wird zum Hygienefaktor bei der Angebotsqualität im Reiseziel – und kann einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen (und somit letztlich auch höhere Rentabilität generieren).

 „Wir dürfen als Destination nicht auf die Nachfrage warten, sondern müssen vorausdenkend und in Zusammenarbeit mit allen Tourismusakteuren entsprechende nachhaltige Angebote ausbauen. Nachhaltiges Wirtschaften kommt der Gesellschaft, der Umwelt und dem Tourismussektor selbst zugute“, so Minister Delles. Zu einem nachhaltigen Angebot gehört beispielsweise ein verbessertes Infoangebot. . Dazu gehört aber auch, darauf zu achten, dass neue Angebote nachhaltig und dabei für den Kunden ganz einfach sind und ihm Nutzen bringen. „Grünes Reisen muss einfach sein, es muss genauso sexy sein wie Reisen an sich“, betont Sebastian Reddeker.